Dieser Blogg ist politisch liberal und verfolgt kein Meinungsbildungsintersse. Er möchte den Diskurs öffnen. Beiträge sind immer willkommen unter stoerfaktor. performancekollektiv@gmail.com
Liebe SlämSchläm-Redaktion, ich fand es ja immer bekloppt , was Marina Abramovic mit ihrem Körper angestellt hat. Das ist doch keine Kunst. / Über so etwas sollte man einfach drüberfahren Der Hungerstreik von Janik Hauser, von dem ich über die Schäbige Zeitung erfahren habe, ist etwas aber etwas anderes. Er geht tiefer. Ist irgendwie dem politischen Tagesgeschäft entrückt, aber gerade deshalb emergent politisch. Aber ich muss von vorne anfangen! Die Anordnung Die Anordnung ist denkbar einfach. Da sitzt ein junger Mann im Anzug vor einem baufälligen Theater. Er ist angekettet und verweigert jegliche Nahrung "außer Kaviar vom Fürsten höchstselbst". Er möchte erst wieder unter die "Überessenen" zurückkehren, wenn "ihm und der bunten Menge das Hoftheater aufgesperrt wird". Er trägt ein schwarzes Sacco und Feinrippshirt. Er schaut gleichmütig in die vor ihm liegende Fußgängerzone und zeigt ansonsten keine Regung. Manchmal hört man im Hintergrund einzelne So...
Theater Gier nach Leben 6. Juni 2025, 15:10 Uhr | Lesezeit: 3 Min. Halt suchen, Liebe, Zärtlichkeit: Edmund Telgenkämper (hinten) und Elias Krischke. (Foto: Armin Smailovic) Ein fantastischer Schauspielabend für die Freiheit, eine Hommage an das schwule München der Achtzigerjahre: Lion Christs „Sauhund“ an den Münchner Kammerspielen. Von Egbert Tholl Anhören Merken Teilen Feedback Drucken Die Aufführung läuft schon eine Weile, da verlässt sie die Vorlage. Und wird politisch. Wir befinden uns in Bayern, in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre, das HI-Virus grassiert und Peter Gauweiler, damals Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, fordert einen Maßnahmenkatalog gegen Aids-Kranke. Er lässt Razzien in der Schwulenszene durchführen, führt Zwangstests ein, angeblich befürworten 77 Prozent der Bevölkerung eine Meldepflicht für Aids. Und Kultusminister Hans Zehetmair poltert, unterfüttert von altphilologischer Bildung, Schwulsein sei „contra naturam“, also gegen d...
Radikalflaneur:innen von Janik Hauser Es gibt gehen und es gibt flanieren. Gehen ist Schatz-ich-geh-kurz-zum-Bäcker und flanieren ist ich gehe / jeden Tag / wie ein Zen Meister / an dem Geschäft des Untertanen, dem Hasskollaborateur / bedächtig vorbei / magnetisch unbeirrt / und spucke, wenn die Galle soweit ist / meine ganze Geringschätzung auf seine Schwelle. Flanieren ist subversiv. So könnte man es auf Elfenbeindeutsch sagen. Wir flanieren. Wir sind eine eingeschweißte Crew, schon als wir uns für den Hörspaziergang im Foyer der Kammerspiele versammeln (unter dem neckisch gehobenen Zeigefinger der Therese). Gewissermaßen im geistigen Gleichschritt – auch wenn wir alle unser eigenes Tempo verfolgen. Aber wir alle öffnen unseren Blick. Wir nehmen uns Zeit. Wir starren die uns vermeintlich bekannte Stadt so lange an, bis aus ihren Ritzen die Vergangenheit quillt. Nicht so, wie sie war. Sondern, wie sie uns vorgelegt wurde. Von jemandem,...
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