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Empörungskultur Grundkurs -- Grundversorgung

Grundversorgung - Betrachtungen zu einem Begriff aus aktuellem Anlass Es gibt diese lustige Anekdote, dass in Bayern Bier ein Grundnahrungsmittel sei. Landerverfassungsmäßig abgesichert. Was da dran ist, ist mir mehr oder weniger bums. Die Story ist gut. sie kickt. Genauso die Nummer mit dem Bienenschwarmparagraphen aus dem BGB. Den kann man googeln. findet jede*r lustig. Warum? Weil die meisten Laien nicht ganz verstehen, wie unser Rechtssystem funktioniert. Sie wissen nur, dass "in diesem Land irgendwie alles geregelt" ist und empfinden das meistens eher als Bedrohung und Einschränkung. Dass es deshalb nicht möglich ist, ihnen eine Großkanzlei in ihrem Wohngebiet vor die Nase zu setzen, oder von der Polizei einfach so den Führerschein abgenommen zu bekommen, das sehen sie eher als moralische Selbstverständlichkeit an. Gesunder Menschenverstand. Hätte ich auch ohne die komplizierten Gesetze entschieden. Aber so etwas wie der Bienenschwarmparagraph kommt deshalb zustande, wei...

Editorial / Partikularismus / 41 Leser*Innen für den Artikel über den Drama-Studiengang an der Goethe-Uni

 41 Leser*Innen für den Artikel über den Drama-Studiengang an der Goethe-Uni. Nach einer Woche. So viel wie sonst nicht Ich finde das interessant. Es deckt sich mit meinen Beobachtungen, dass die Leute viel lieber in ihren mini Peers abhängen, dort über Outfits oder Sprachnuancen lästern, anstatt in einem klassischen Sinne politisch zu denken. Das heißt für mich nämlich sich zu fragen, wie wir alle leben wollen. Nicht nur die Müller-Schöll-Jünger dieser Welt. Aber solch ein denken ist eher out. Ich denke es ist auch vielen zu komplex. Leichter natürlich mit einer begrenzten Anzahl von Sprachlabels ( problematisch, indiskutabel, fragwürdig, inkorrekt ) hinaus in die Welt zu gehen und sich einen Gegenstand zu suchen, der vermeintlich meinen eigenen Geltungsanspruch unterminiert. Zack Label drauf. Feuer frei. Ich beziehe mich mit dieser Argumentation nicht etwa auf meinen eigenen Erfahrungsschatz als fragil männliche Cisperson. Zumindest nicht ausschließlich ;) Ich lese eine linke ü...

Dramaturgie-Studiengang / Begriff der Arbeit

Sodala. Bald fertig mit Dramaturgie-Master und erstem Staatsexamen. Zeit für eine kleine Bilanz  Neulich hat mich ein Kumpel aus Jugendtheater-Zeiten angeschrieben. Was ich so mache. Wir könnten ja mal was zusammen arbeiten.  Arbeiten. Auch so ein Begriff der inzwischen so speckig ist, wie die Löwen an der Feldherrnhalle. Furchtbar abgegriffen. "Meine neue Arbeit (diesdas)", ich habe "viel zu Raum gearbeitet", ich beschäftige mich in meiner "Arbeit viel mit Formen". So reden die ganzen Kulturheinis über ihr täglich Brot. Man betont gerne, dass da und dort "gearbeitet" wird. Wenn man dann nachfragt, woraus die Aktivität denn so besteht, kommt häufig zurück: über 80 % Selbstvermarktung. "Sich immer wieder ein neues Brand geben". Fördergelder akquirieren, sich für künstlerische Residenzen bewerben. Klingt nach wirklich mühsamem Shit. Nicht die individualistische Freiheit, die einem einst um den Knöchel geweht ist, in der Zugluft der Künstl...

Editorial -- ein antirassistischer Blog

In eigener Sache / 3  1/2 Jahren-Jubiläum Liebe Leser*innen, bloggen ist ja eigentlich derbe 90er. Ich denke deshalb taugt es mir auch so sehr. Im Bloggen steckt der Anfangsenthusiasmus einer Zeitenwende, die es jedem* erlaubte, sich selbst zu broadcasten. Seine Meinung mit allen zu teilen. Ein kindlicher manischer Eifer Journalist*in zu sein, auch wenn man nicht für das Establishment schreibt. Jetzt lesen so ungefähr 30 Leute pro Tag diesen Blog.  Wahrscheinlich alles Freunde, die Mitleid haben mit jemandem, der in einem Format des letzten Jahrhunderts festhängt. Schade, eigentlich. Also es freut mich, dass ich diese kleine Echokammer errichten darf. Aber ich wäre gerne diverser aufgestellt. Würde auch von Leuten gelesen, die meine Ansichten nicht teilen, oder meine Argumente und Fragestellungen angreifen. Wie stellt man das an? Wie vergrößert und diversifiziert man* seine Leser*innenschaft? Welche Themen soll und darf man* setzen? Wie connected man*? Brü's ich brauch E...

Rassismus / Empörungskultur II (Keuner erzählt, niemand liests)

 dieses Stichwort verkauft sich ganz hervorragend: ÜBERGRIFF K. erzählt: "Ich habe gestern in einer kleinen gemütlichen Bar in Bornheim ein paar Cocktails eingekerkert und mich von einem weißen heterosexuellen Cismann in ein Gespräch über antirassistisches Verhalten verwickeln lassen. Fehler Nummer eins Ich solle doch morgen nicht einen Kaffe mit Freunden trinken gehen, sondern mich stattdessen in Projekten und Bewegungen engagieren. Er sei in seiner alltäglichen Praxis als Firmenchef antirassistisch, weil er "streng nach Eignung" die Stellen vergebe (nicht nach verpönten Kriterien). Der Eignungsbegriff allerdings sei ihm fremd, weil er den "tatsächlichen Rassismus" bemäntele. Außerdem vertraue er darauf, dass der alltägliche Rassismus sich von selbst erledige, weil "diese Leute" aus einer rassistischen Firma ja einfach in eine andere wechseln könnten "wo das Klima stimmt". Es gelte vor allem marginalisierten Gruppen "zuzuhören...

Revision / Wir vermieten nur an seriöse Mieter (AT) / Dramaturgie-Studiengang

Oftmals verhindern emotionale Dispositionen einen Vorgang der Rezeption, der einem ermöglicht, alles aus einem Kunstwerk zu ziehen, was man unter optimalen Bedingungen daraus ziehen könnte.  Es mag daher Sinn machen, öfters in Kinofilme zu gehen (wie neulich, als ich das zweite mal Parasite gesehen habe und wieder gefesselt war) oder sich Performances oder Theaterstücke mehrmals anzusehen, oder zumindest den Vorgang der Rezeption innerlich zu wiederholen (indem man sich vor Augen führt, was einen damals beschäftigt hat, indem man sich Notizen wieder vorlegt, indem man nochmal mit Mitzuschauer*Innen spricht). Als ich das erste Mal  Wir vermieten nur an seriöse Mieter (AT) gesehen hatte stand ich unter dem Eindruck negativer Rückmeldungen aus meinem Dramaturgiestudiengang seitens meiner Kommilitoninnen*. Zusagen, in ein bestimmtes Land gehen zu dürfen, die vonseiten des Instituts entschuldigungslos nicht eingehalten wurden, Unmut über das Angebot an szenischen Projekten, einzel...

Re: Post kritischer Kommentar zum bedingungslosen Grundeinkommen

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