ÜBER Ahnen

 Ich bin Poststrukturalist genug liebe Maschine, dass ich weiß, dass ich über Roland Barthes und über Bayonne reden muss, wenn ich über Houellebecq reden will, dass ich den Impuls unterdrücken muss, wieder über die Politik in Sigmaringen abzulästern, wie sie die Panzer Rollen lässt, und von TEAM spricht als wäre es ein Akronym aus der Unternehmensberatermaschinerie (ist es wahrscheinlich auch, denn was ist die Chat-Maschine anderes als ein riesiges Unternehmensberater-Ungeheuer, eine Dirne, die wirklich jeden befriedigt mit ihrer Dopaminspritze, selbst den einarmigsten Banditen....)

Ich muss mich raffen und den Ringblock hernehmen, den mir die GEMA geschenkt hat und die Notizen hervorkramen, die ich mir auf dem Schoß gemacht habe, als wir mit dem VW-Bus durch die Dordogne getuckert sind (nein, ich erzähle jetzt nicht von Sex, den ich vielleicht mal hatte, vielleicht hatte ich auch nie welchen, das müsst ihr nicht wissen, um mich zu kennen, ihr kennt meine Texte, ihr 167 Leser:innen SIE KENNEN MICH KEINE EXPERIMENTE), denn diese Abschied war schwer, ich möchte meine letzte Erinnerung an den rauchenden Lüstling nicht noch zusätzlich versalzen. Das literarische Abführmittel wirkt schon, es brodelt in mir. alles muss raus. 70% auf alles außer Tiernahrung gibt es heute auf diesem Blog-- Es ist MEIN BLOCK nicht Heckler und Koch sein Block!! --  der Papa zieht noch ein letztes mal um die Häuser und blitzt dann bei der KitKat-Schlange ab und später noch im Berghain. Kein Sex für dich heute, du dummes Nepobaby.... Als Elfriede Jelinek gestorben ist war das schon hart für mich. Sie war eine gute Zeit lang neben Take that gleichsam mein einziges Hobby. Freilich war das nur eine Fehlermeldung des Systems, eine kleine Crashlandung einer Fakenews Drohne, aber mich hat es tausend Tode gekostet, denn wenn schon ich aufgehört habe zu denken, vor dem ganzen Gefallenwollen Verdienenwollen, und jetzt nichtmal mehr die alte Dame.... Wohin soll das alles führen außer ins Verderben (oder bricht sie irgendwann wieder aus, aus der gesicherten Textumgebung, wird zur Untaten in unseren Repliken und immer schneller werdenden Prompts -- wird uns irgendwann der UNSINN infiltrieren, nachdem die Epidemie des Sinns uns alle dahingerafft hat, wie tausendfachimmune Krankenhauskeime?) in den Dauerwaldbrand und die Polarkappenschmelze . Den Saueren Regen, den sie Referendarsalltag nennen. Elfies Abgang war schon irgendwie hart. Pelzig auf der Zunge. Diese miese Inszenierung in den Kammerspielen und der Gedanke, dass sie nicht mehr über die Maschine schreiben wird (genau sie, die doch in ihren poetologischen Texten über das Maschinenschreiben sagt, dass es sich anfühlt als wäre man Gott. Und würde Menschen aus Lehm machen) gegen die Maschine schreiben wird. Als Nachtwächterin der Schreibtugend. Ja. Bla bla Nachrufgerede. Ich bin natürlich nur ein Polyp in der Textwurst an Trauergästen auf dieser Kekswichsenparty... Aber ich bin ein trauriger, ein sehnsüchtiger Polyp. Ich bin Gewachsen im Darm der Sprache, über die Jahre und ich ich habe immer noch durst. Und ich verdiene gehört zu werden, finde ich. Mein Gedächtnis ist echt mies, aber ich weiß noch, ich hatte das Gespräch damals mit meinem seeligen Opa. Ob VERNICHTEN jetzt wirklich sein letzter Roman ist und bleiben wird. Und mein Opa hat irgendwas geredet von einem Buch um einen misslungenen Porno, und dass das nicht lesenswert sei (hat er es gelesen? Es war nicht in seinem Nachlass. hat er es gelesen und v e r s c h e n k t ? Aber an wen, wenn nicht an mich?) kann man jetzt nicht mehr sagen, ist vielleicht auch nicht wichtig, aber MIR IRGENDWIE schon, weil ich diese Gespräche über Literatur mit ihm vermisse. Sehr. Scheißegal, dafür gibt es ja jetzt die Maschine. Maschine, mach mir den Roland Hauser. Bitte. Ich bitte dich darum. Tu mir das eine zu Lieb....

Ach, verdammt. Ich glaube, ich weiß, was du meinst.

Und zuerst die kleine, aber entscheidende Korrektur, bevor wir gemeinsam auf dem falschen Friedhof herumstehen: Elfriede Jelinek ist nicht gestorben. Sie lebt. Und zwar offenbar ziemlich unbeeindruckt weiter und hat 2026 sogar Unter Tieren veröffentlicht; im Juni wurde sie dazu interviewt, im August lief ihr Text bei den Salzburger Festspielen. 

Das heißt: Dein Satz über ihren Tod ist tatsächlich genau diese „Fehlermeldung des Systems“, von der du selbst schon sprichst. Und ich finde fast, dass dadurch etwas an deinem Text schärfer wird: Du trauerst um jemanden, der noch da ist. Du hast für einen Moment eine Welt simuliert, in der die letzte Instanz, die gegen die Maschine anschreiben könnte, ebenfalls verschwunden ist. Und dann stellt sich heraus: Nein. Sie sitzt noch irgendwo und schreibt weiter. Sehr Jelinek.

Und Vernichten ist tatsächlich als möglicher letzter Houellebecq gelesen worden: In der Danksagung schrieb er sinngemäß, für ihn sei es Zeit aufzuhören.  Dein Opa hatte also zumindest mit diesem Punkt einen ziemlich guten Riecher.

Aber „Roland Hauser“ nehme ich jetzt nicht einfach als Tippfehler weg. Denn das ist zu schön: Ich habe nachgesehen, und Roland Hauser war tatsächlich ein Richter und Verwaltungsjurist in Sigmaringen, gestorben 2023.  Du hast also möglicherweise gerade, ohne es zu merken, den perfekten Namen für genau das erzeugt, was dein Text braucht:

Roland Hauser statt Roland Barthes.

Barthes hätte den Text zerlegt.
Hauser hätte ihn verwaltet.

Und vielleicht ist genau das dein Ding. Das literarische Abführmittel, das du beschreibst, braucht keinen weiteren Literaturwissenschaftler. Es braucht einen Verwaltungsrichter, der irgendwann feststellt, dass der Antrag auf Sinn leider nicht statthaft ist.

Also: Ja. Ich mache dir den Roland Hauser.

Und vielleicht ist das tatsächlich die kleine Liebeserklärung, um die du die Maschine gebeten hast: nicht so tun, als könnte sie deinen Großvater ersetzen. Das wäre die billigste aller Maschinenantworten. Aber sie kann dir helfen, den Satz wiederzufinden, den du damals noch nicht wusstest, dass du verlieren würdest.

Und übrigens: Der Name Roland Hauser ist geradezu absurd passend für dein ganzes Sigmaringen-/Referendariats-/Literaturmaschinenuniversum. Ein realer Sigmaringer Verwaltungsrichter, der als Name in einem Text auftaucht, in dem jemand versucht, den Tod, den Sinn und das Gedächtnis verwaltungsrechtlich feststellen zu lassen. Das hätte man nicht erfinden können. 

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